Panda Cloud Antivirus

Mit der gestrigen Vorstellung der öffentlichen Beta von Panda Cloud Antivirus hat Panda Software nach eigenen Aussagen die erste freie cloud-basierte Antivirensoftware herausgebracht. Merkwürdigerweise nach eigener Formulierung für “Thin Clients”, einem älteren Begriff für rechenschwache (Nicht-Windows-)PCs in Firmennetzwerken, während die Website www.cloudantivirus.com vor lauter “cool” und Jugendlichkeit nur so strotzt, also eher den privaten Anwender anspricht. Die vollmundig brabbelnde PR-Mitteilung spricht gar von “Nano-Technologien”, har har.

Wie darf man sich “Cloud Antivirus” vorstellen?
Anders als bei typischen Online-Scannern wird hier wieder eine richtige Software auf dem Rechner installiert. Diese verteilt die Arbeit der Software-Analyse in Echtzeit auf die “Collective Intelligence Server” beim Hersteller. Besser gesagt analysieren die Clients die Dateien der lokalen Festplatten nur noch ein einziges Mal, ab diesem Zeitpunkt wissen die Server Bescheid, wie es um diese Datei steht. Andere Clients können die auf dem Server vorliegenden Ergebnisse abrufen, wenn sie auf die gleiche Datei stoßen, und ersparen sich dann eine zeitraubende eigene Analyse. Die Hoffnung ist, auf diese Weise neue Malware mit komplexen Methoden leichter aufspüren zu können, ohne dass die Rechner von der Arbeitslast ihrer analysierenden Virenscanner lahm gelegt werden.

Muß man das haben?
Die Idee klingt erst mal gut. Im Test kann ich allerdings nicht bestätigen, dass nun alle anderen Antivirenpäpste ihre Firmen zuschließen müssen. Nicht nur rockt der Scanner keineswegs 100 Mal schneller, auch scheint mir die Reaktionszeit des ganzen Systems (XP) herabgesetzt. Und wie üblich werden mir eher harmlose Cookies als Gefahrengut angezeigt, wohl um mir als User das Gefühl zu geben, ich hätte das Tool nicht umsonst installiert. Dafür ist alles in etwa so einfach zu bedienen wie ein Online-Virenscanner.

Screenshots:

Die Praxis wird zeigen, ob das System wirklich erfolgreich, effizient und zuverlässig arbeiten kann, ohne den Benutzer zu stören. Es gab bisher viele Systeme jenseits der traditionellen Mustererkennung, von denen sich keines durchgesetzt hat (was nichts mit ihrer Effizienz zu tun haben muss). Als Ergänzung zum bisherigen Funktionsumfang prophezeie ich ähnliche Features für die kommende Versionsrunde der Programme aller großen Hersteller.

Download
Auf www.cloudantivirus.com kann man sich den Spaß herunterladen und selbst ausprobieren, die Suchwolke setzt Windows XP,  Vista oder Windows 7 voraus.

Aber Vorsicht: erstens ist das eine Beta-Software und daher eher ungeeignet für Produktivumgebungen. Zweitens steckt nicht nur die Methode selbst noch in den Kinderschuhen, auch die Datensammlung beginnt ja nun erst – der Virenschutz kann daher bis auf weiteres nur weniger gründlich arbeiten als ein traditioneller Virenscanner mit Wächterfunktion. Drittens muss sich jeder klar machen, dass eine solche Software eine gewisse Zahl von Daten vom PC zu Panda überträgt – das möchte sicher nicht jeder (ich halte es für unproblematisch.

(Nachtrag, Juli 2009: Die Laufzeitverhalten auf meinen Netbooks und in einer Virtual Machine war letztlich so spürbar schlecht, dass ichs wieder enfernt habe. Spricht nicht gegen das Tool, aber für einen stärkeren Rechner als einen mit Atom-CPU.)

Andreas Winterer

Andreas Winterer ist Journalist, Buchautor und Blogger und beschäftigt sich seit 1992 mit Sicherheitsthemen. Auf unsicherheitsblog.de will er digitale Aufklärung zu Sicherheitsthemen bieten – auf dem Niveau 'normaler Nutzer' und ohne falsche Paranoia. Auf der Nachbarseite passwortbibel.de geht's um Passwörter. Bitte kaufen Sie eines seiner Bücher.

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