iPhone-Bewegungsprofile

Zwei Software-Entwickler haben auch gleich die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang beantwortet: “Gibt’s dafür denn ‘ne App?” – Und natürlich gibt es die, und weil sie aus den Geodaten der Datei consolidated.db so schöne Grafiken macht, können wir endlich mal sehen, wie typische Bewegungsprofile aussehen können. Denn natürlich haben jetzt alle Geotracking-Fanboys nichts besseres zu tun, als ihre Bewegungsprofile zu posten, um zu zeigen, wie leicht & locker sie in Sachen Privatsphäre drauf sind.

Hier zum Beispiel das Bewegungsprofil von Daniel R., Mac-User, Biertrinker und Atomkraftgegner, der es selbst gepostet hat:

Bewegungsprofil eines iPhone-Benutzers, der sich in seinem Facebook-Profil selbst als Atomkraftgegner outet. Dass die Polizei solche Leute vor 30 Jahren noch als halbe Terroristen betrachtet hat, scheint gottlob in Vergessenheit geraten zu sein.

Hier noch ein paar Blogger-Bewegungsprofile: macerkopf, speeblick, inselblog, iphoneblog.
Aha. Naja.
Alles ganz harmlos, also, nicht wahr? Solange es nicht die Ehefrau ist, die das Profil ausliest, und solange man nicht mit angeschaltetem iPhone fremd ging, weil man unbedingt diese tolle location-based Stundenhotel-Preisvergleichs-App brauchte…

Der nächste Schritt wird ein eigener Dienst sein, geoprofilr.com oder so, wo man die schönsten und ausführlichsten Bewegungsprofile wird speichern können. Später dann wird es Spiele geben, wo Einzelpersonen Muster erzeugen, in dem sie mit ihrem iPhone bestimmte virtuelle Routen abfahren. Man wird virtuelle Kornkreise sichten. In Quizsendungen werden Leute auftreten, die “100 Prominente an ihren iPhone-Bewegungsprofilen erkennen können”. Hollywood wird Filme drehen, in denen man den Antichristen daran erkennt, dass sein Bewegunsprofil wie ‘666’ aussieht. Bin Laden höchstpersönlich wird ein ‘9/11’ in irgendein Afghanistan-Mashup reinlatschten. Der nächste Schritt sind MMGTGs, Massive Multiplayer Geo Tracking Games, wo ganze Menschengruppen gemeinsam Muster in virtuelle Maps zeichnen werden, die dann – über ein Timeline-Mashup bei geotubr.com abgespielt – eine Zeichentrick-Version von “Star Wars” ergeben werden… aber ich greife vor.

Als nächstes wird bloß Peter Schaar dazu etwas höchst kritisches äußern, und Ilse Aigner wird sich ein Konto bei mygeotrackr.com besorgen, um dann demonstrativ austreten zu können. (BTW: Parallel dazu beschwert sich die EU, dass Deutschland nicht genug Daten auf Vorrat speichern würde, eine neue Volkszählung schickt sich an, uns in Datenpakete zu formalisieren und unsere Einwohnermeldeämter verschachern derweil unsere Adressen. Versteh einer die Welt…)

Nachtrag am 28.4.: Basicthinking will Apple nicht so recht “abkaufen, dass das alles nur ein Softwarefehler gewesen sein soll”. Warum die Datei nicht einfach regelmäßig gelöscht wird, fragt sich netzpolitik.org. Und heise findet bei genauem Hinsehen wenig Brisanz im Thema, weil es weniger Bewegungsprofile sind, sondern eher Aufenthaltsprofile. (Noch ;-)

Andreas Winterer

Andreas Winterer ist Journalist, Buchautor und Blogger und beschäftigt sich seit 1992 mit Sicherheitsthemen. Auf unsicherheitsblog.de will er digitale Aufklärung zu Sicherheitsthemen bieten – auf dem Niveau 'normaler Nutzer' und ohne falsche Paranoia. Auf der Nachbarseite passwortbibel.de geht's um Passwörter. Bitte kaufen Sie eines seiner Bücher.

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1 Antwort

  1. Jörg sagt:

    Das Problem mit Daten ist: wenn es sie erst einmal gibt, werden sie auch genutzt. Und das muss nicht immer zu gunsten dessen sein, der die Daten erzeugt hat. Daher ist die prinzipielle Datenvermeidung der beste (einzige?) Schutz gegen Datenmissbrauch.

    Macht man mit anderen möglichen Gefahren ja genauso: Gefahren die man konsequent vermeidet, können auch nicht gefährlich werden. Warum dann nicht ebenso mit Daten verfahren?